Jul 06, 2020 Last Updated 8:17 AM, Jun 15, 2020

Eine Traumaklinik für jesidische Frauen im Irak

Eine Traumaklinik für jesidische Frauen im Irak

Im Sommer 2014 entführten Kämpfer des so genannten Islamischen Staates (IS) rund 5000 jesidische Frauen und Mädchen sowie Hunderte von Kindern. Viele der Überlebenden sind schwer traumatisiert und benötigen dringend psychologische Unterstützung. In einer im Irak einzigartigen stationären Traumaklinik erhalten sie umfassende Behandlung in einem heilsamen Umfeld

Das Leid der Jesidinnen

Zur dschihadistischen Ideologie des IS gehörte eine Politik der systematischen Gewalt gegen Frauen. Die Terroristen zwangen Frauen und Mädchen ihre extremistische Agenda auf und machten sie zum Schlachtfeld ihres "Heiligen Krieges". Insbesondere Frauen der jahrtausendealten Glaubensgruppe der Jesiden im Irak wurden zum Ziel ihrer Gewalt. In ihrem Onlinemagazin Dabiq haben sie die Versklavung und Vergewaltigung von jesidischen Frauen offiziell begründet und gerechtfertigt.

Jesidische Frauen und Mädchen wurden entführt, als Sklavinnen verkauft, zur Arbeit gezwungen, zwangsverheiratet und oft schwerer sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Etwa 2000 von ihnen konnten fliehen oder wurden von Angehörigen freigekauft. Sie blicken teils auf Jahre schwerster Gewalt zurück, haben Angehörige verloren und waren gezwungen, die eigene Sprache, die eigenen Bräuche und den eigenen Glauben zu verleugnen. Viele leben in Camps für Geflüchtete im Nordirak und leiden unter den seelischen und körperlichen Folgen ihrer Erlebnisse.

Eine stationäre Traumaklinik für Frauen und Mädchen

Seit November 2015 betreiben wir die erste stationäre Einrichtung für traumatisierte jesidische Frauen im Irak. Hier werden die Patientinnen gemeinsam mit ihren Kindern über mehrere Monate in einem geschützten Raum ganzheitlich und kostenlos behandelt. Unser ausschließlich weibliches Personal, bestehend aus speziell geschulten Ärztinnen, Psychologinnen und Traumatherapeutinnen, Pädagoginnen und Krankenschwestern, bietet den Patientinnen während ihres Klinikaufenthalts

  • medizinische und gynäkologische Behandlung
  • psychologische Behandlung und Traumatherapie in Einzelsitzungen und in der Gruppe
  • Physiotherapie und Schmerzbehandlung
  • Sportangebote und Entspannungstechniken
  • gemeinsame Alltagsgestaltung und Ausflüge
  • Kinderbetreuung
  • Informationsveranstaltungen zu Gesundheitsthemen und Frauenrechten

Unser Ziel ist es, die Patientinnen zu stabilisieren und auf ein selbstbestimmtes Leben nach dem Klinikaufenthalt vorzubereiten. Dafür werden Familien und Partner in den therapeutischen Prozess einbezogen.

Wie Sie helfen können

Mit ihrer Spende ermöglichen Sie Überlebenden von Terror und Gewalt im Irak professionelle medizinische und psychologische Versorgung. Zum Spendenformular gelangen Sie hier.


Kontakt

Chenar Seerwan
Programmleitung Traumahilfe und Gesundheit
c.seerwan@jiyan-foundation.org

Lavan Jalal
Programmleitung Traumahilfe und Gesundheit
l.jalal@jiyan-foundation.org

Interview mit Laila Ahmed

Interview with Laila Ahmed, head of women’s clinic

Interview mit Laila Ahmed, Leiterin der Frauenklinik

Im Jahr 2014 überfiel der sogenannte Islamische Staat (IS) den Irak und eroberte weite Teile des Landes. Besonders betroffen war die Region Sinjar, wo unfassbare Verbrechen an der lokalen Bevölkerung verübt wurden: Tausende der dort ansässigen Religionsgruppe der JesidInnen wurden...

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