Oct 01, 2020 Last Updated 12:38 PM, Aug 28, 2020

Programm für Recht und Gerechtigkeit

Der Irak und Syrien blicken auf eine lange Geschichte von gewaltsamen Konflikten, Menschenrechtsverletzungen und fehlender Rechtsstaatlichkeit zurück. Unsere Erfahrungen zeigen, dass das Thema Gerechtigkeit eine wichtige Rolle bei der Traumabewältigung spielt. Allerdings haben viele Menschen aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation oder aus Mangel an Informationen keinen Zugang zu Rechtsberatung. Um auf diesen Bedarf zu reagieren, beschäftigen wir ein Team von Juristen, die Überlebenden helfen, zu ihrem Recht zu kommen.

Rechtsberatung und Vertretung vor Gericht

Viele unserer Klientinnen und Klienten sind auf rechtliche Unterstützung angewiesen. Geflüchtete und Vertriebene haben häufig wichtige Papiere verloren, ohne die sie nicht heiraten oder ein Geschäft aufmachen dürfen. Zu uns kommen auch viele Frauen, die sich von gewalttätigen Ehemännern scheiden lassen oder das Sorgerecht für ihre Kinder beantragen wollen. An allen Standorten beschäftigen wir daher Juristen, die folgende Hilfen anbieten

  • allgemeine Rechtsberatung
  • Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen für zukünftige Gerichtsverfahren
  • Unterstützung bei schwierigen Behördengängen
  • Vertretung vor Gericht und Ämtern
  • Aufklärungsveranstaltungen zu den eigenenRechten und wirksamen Möglichkeiten, diese geltend zu machen

Verbesserte Haftbedingungen in irakischen Gefängnissen

Laut internationalen Menschenrechtsstandards haben Gefangene ein Recht auf Zugang zu einem Anwalt, auf einen fairen Prozess und auf menschenwürdige Behandlung. Insbesondere Personen, die unter Terrorismusverdacht stehen, werden diese Rechte im Irak oft verweigert. Aus diesem Grund setzen wir uns für verbesserte Haftbedingungen in Gefängnissen im Nordirak ein. Zu unserer Arbeit gehören

  • regelmäßige Besuche in Haftanstalten für Frauen und Jungen unter 18 Jahren
  • Aufklären der Inhaftierten über ihre Rechte
  • Menschenrechtsbildung für Gefängnispersonal und Polizist*innen
  • Öffentlichkeitsarbeit zu Haftbedingungen in irakischen Gefängnissen und den Rechten von Gefängnisinsassen
 

Entschädigung von Opfern

Überlebende von besonders schweren Menschenrechtsverletzungen wie Völkermord, Folter und Verbrechen gegen die Menschlichkeit haben ein Recht auf Wiedergutmachung nach internationalem Recht. Dazu gehört unter anderem ein Anspruch auf Entschädigung für erlittenes Unrecht.

Das irakische Gesetz erkennt allerdings weder Verbrechen gegen die Menschlichkeit noch Völkermord an. Das Gesetz zur Entschädigung von Opfern militärischer Handlungen und von Terrorakten kann nur sehr begrenzt auf Überlebende der vom „Islamischen Staat" begangenen Verbrechen angewendet werden.

Aus diesem Grund haben wir eine Koalition von Organisationen der irakischen Zivilgesellschaft gegründet, die ein umfassendes Wiedergutmachungsprogramm für alle zivilen Opfer des IS-Konflikts im Irak fordert. In der „Coalition for Just Reparations“ sollen die Opfer zu Wort kommen, eine öffentliche Debatte zur Übergangsjustiz angeregt und die Regierung in die Verantwortung genommen werden. 

Wie Sie helfen können

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie den Aufbau einer friedlichen und freien Gesellschaft im Irak und in Syrien. Sie ermöglichen damit langfristige und sichtbare Veränderungen für Menschen, die nach Gewalt und Krieg in ein gesundes und eigenständiges Leben zurückfinden wollen. Zum Spendenformular gelanden Sie hier.

Kontakt

Bojan Gavrilovic
Programmleitung Recht und Gerechtigkeit
b.gavrilovic@jiyan-foundation.org

Publikationen

A criminal tribunal and a wide-ranging reparation programme is necessary for the victims of sexual violence and torture in Iraq

Programmleiter Bojan Gavrilovic schreibt zum Thema Übergangsjustiz im Irak im Torture Journal des International Rehabilitation Council for Torture Victims (IRCT).

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Recht auf Entschädigung

The right to reparation: laudable goal or empty promise?
Programmleiter Bojan Gavrilovic schreibt zum Recht auf Entschädigungen auf OpenGlobalRights.
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Überlebende des Giftgasangriffs

Ich muss mich diesem Alptraum stellen

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Meyro ist eine 36-jährige Kurdin, die im März 1988 die Giftgasangriffe auf Halabja überlebt hat. Sie wuchs in einem liebevollen Umfeld mit engen Beziehungen zu ihren Eltern und Geschwistern auf. Hier erzählt sie davon, wie sie ihre Familie verlor. Meyro war...

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