Dec 17, 2017 Last Updated 3:54 PM, Dec 15, 2017

Programm für Überlebende von Genozid

Program for Survivors of Genocide

Völkermord im Irak: Die Anfal-Operationen

Im Zuge der so genannten Anfal-Operationen in den 1980er Jahren zerstörte die irakische Armee etwa 5.000 Dörfer durch Giftgasangriffe und systematische Vernichtungsaktionen. Zehntausende Menschen wurden umgebracht oder verschwanden, wurden in Umsiedlungslager deportiert oder mussten fliehen.

Bis heute sind die ländlichen Gegenden im Nordirak weitaus ärmer als die Großstädte. Da sie über viele Jahre vernachlässigt wurden, fehlt es an Infrastruktur und Beschäftigungsmöglichkeiten, die den ländlichen Regionen die Teilhabe am Aufschwung und Wohlstandszuwachs der städtischen Gebiete sichern würden.

Halabja, eine Stadt nahe der iranischen Grenze, erfuhr traurige Berühmtheit durch die Giftgasangriffe am 16. und 17. März 1988. An diesen beiden Tagen tötete das Regime mindestens 5.000 Menschen durch den Einsatz von Senfgas und anderen Nervengiften. Schätzungen zufolge wurden bis zu 10.000 Menschen schwer verletzt oder starben bei dem Versuch zu fliehen.

Projekte für Überlebende der Giftgasangriffe auf Halabja

Seit Juni 2010 betreibt die Jiyan Foundation for Human Rights mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes ein Zentrum für Überlebende der Giftgasangriffe in Halabja.

Bis heute leiden viele der Opfer an unterschiedlichen körperlichen und seelischen Beschwerden und Behinderungen. Dazu gehören schwere Erkrankungen der Lunge, Blindheit oder Hauterkrankungen, die permanenter und sehr kostspieliger Behandlung bedürfen. Darüber hinaus haben viele Überlebende posttraumatische Belastungsstörungen und Depressionen entwickelt und leiden unter Aggressionen und Schuldgefühlen. In der Folge sind viele nicht in der Lage zu arbeiten und auf die Unterstützung durch Verwandte angewiesen, ohne die sie in große finanzielle Schwierigkeiten abgleiten.

Aufgrund des hohen Anteils an Patienten mit außergewöhnlich schweren körperlichen Leiden liegt der Schwerpunkt dieses Programms auf fachärztlicher Behandlung. Da von den Giftgasangriffen auch die ländlichen Gebiete um Halabja herum betroffen waren, rotiert ein mobiles Team zwischen den kleineren Orten Khurmal, Sirwan und Halabjay Taze.

Von Beginn an erfuhr unser Team mit seinen Angeboten die uneingeschränkte Zustimmung der Betroffenen und sah sich mit einer Zahl von Patienten konfrontiert, welche die Kapazitäten um ein Vielfaches überstieg. Seit 2010 konnten wir mehr als 2.200 Betroffenen helfen, über zwei Drittel von ihnen Frauen.

Psychosoziale Dienste in ländlichen Gegenden

Mobile Beratungsteams haben sich als eine der wenigen Möglichkeiten bewährt, um in ländlichen Gebieten Opfer von Menschenrechtsverletzungen und ihre Kinder zu erreichen. Viele leben in Armut und haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung durch Fachpersonal oder zu Bildungsangeboten. Vor allem Frauen und Kindern ist es oftmals unmöglich, Hilfe oder Rehabilitationsmaßnahmen in den Städten wahrzunehmen.

Um auch diese spezielle Opfergruppe zu erreichen, unterhält die Jiyan Foundation mehrere mobile Gesundheitsteams, die kleinere Städte um Kirkuk, Sulaymaniyah, Halabja und Chamchamal betreuen und dort in Kooperation mit lokalen Gesundheitseinrichtungen ambulante Behandlung und Betreuung anbieten.

Unsere Erfahrung in ländlichen Gegenden zeigt, dass ein immenser Bedarf an mobilen Ambulanzen besteht. Unsere Teams betreuen etwa 500 Patienten pro Jahr, mehrheitlich Frauen, deren psychologischer oder sozialer Probleme sich in den allermeisten Fällen nie zuvor jemand angenommen hat.

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Wenn Sie mehr über unsere Arbeit erfahren oder Überlebende des Völkermords unterstützen möchten, erreichen Sie uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Überlebende des Giftgasangriffs

Ich muss mich diesem Alptraum stellen

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Meyro ist eine 36-jährige Kurdin, die im März 1988 die Giftgasangriffe auf Halabja überlebt hat. Sie wuchs in einem liebevollen Umfeld mit engen Beziehungen zu ihren Eltern und Geschwistern auf. Hier erzählt sie davon, wie sie ihre Familie verlor. Meyro war...

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