Häusliche Gewalt

Roza ist 38 Jahre alt und Hausfrau. Sie suchte in unserem Zentrum Hilfe, nachdem sie ihr Leben lang unter Gewalt und Missbrauch gelitten hat.

„Gewalt war alltäglich für mich. Aber darüber beschweren konnte ich mich nirgends, weil es mein eigener Vater war, der mich missbrauchte. Meine Schwestern waren in derselben Situation, und die Leute sagten nur, das sei eben unser Schicksal. Unsere Mutter war eine arme, bemitleidenswerte Frau. Sie weinte ständig, weil sie wusste, dass ihr Mann eine andere Frau traf, aber dagegen tun konnte sie nichts. Als ich noch ein Kind war, wurde ich von einem meiner Cousins vergewaltigt. Ich hasse ihn noch heute dafür. Niemand hätte mich verstanden, also hielt ich das geheim. Sechs Monate nach diesem schrecklichen Erlebnis starb mein Vater. Für mich war das merkwürdig, ich hatte einfach keine Gefühle für ihn. Ich war glücklich, tat aber meiner Mutter und meinen Schwestern gegenüber so, als sei ich traurig.“

Vor fünf Jahren verlobte sich Roza. Zwei Monate vor dem Hochzeitstermin wollte ihr Verlobter sie dazu überreden, ihre sexuelle Beziehung schon vor der Heirat zu beginnen. Sie vertraute sich ihm an und berichtete von ihrer Vergewaltigung, die er abschätzig als Verlust ihrer Jungfräulichkeit kommentierte. Er wurde übergriffig, und er erzählte all seinen Verwandten weiter, was sie ihm anvertraut hatte. Sie durchlitt Schläge und Beleidigungen aus seiner Verwandtschaft, durfte weder reisen noch Leute von außerhalb treffen und hatte bedingungslos zu gehorchen. Zu allem Übel verlangten manche Verwandte ihres Verlobten außerdem Sex mit ihr. Ihr blieb keine andere Wahl, als das zu akzeptieren; manchmal bekam sie Geld oder Geschenke dafür.

Nach drei Jahren erfuhr Rozas Bruder von diesen Vorfällen – und wollte Roza umbringen. Sie floh und kam bei einem ihrer Onkel unter. Erst nach dem Tod ihrer Mutter änderte Rozas Bruder seine Haltung, verzieh ihr und nahm sie bei sich und seiner Familie auf. Sie versucht dort zu helfen, wo sie kann, sieht sich aber starken Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit ausgesetzt. Es wird kontrolliert, wann sie kommt und geht, und alle sozialen Beziehungen außerhalb der Familie werden unterbunden. Die meisten Familienmitglieder haben sich von Roza abgewandt: „Du bist keine von uns. Dich gibt es gar nicht.“

Roza kam zur Jiyan Foundation, da sie an Alpträumen, Gedächtnisstörungen, Schlaflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit sowie unter unkontrollierbaren Weinkrämpfen litt. Darüber hinaus hatte sie chronische Kopfschmerzen und Körperschmerzen. In den ersten psychotherapeutischen Sitzungen kam zum Vorschein, dass sie Angst vor Männern und vor ihrer Familie hatte. Phasenweise hatte sie Selbstmordgedanken und wiederholte, sie sei „dieses Lebens so müde“.

Unser Psychologe vermittelte Roza Methoden, die die lähmende Traurigkeit mindern helfen und sie darin unterstützen sollen, die Kontrolle über ihr Leben zurückzuerlangen. Um sich sicherer zu fühlen, rieten wir Roza, ihre Handynummer zu wechseln. Sie berichtet jetzt von weniger Stress und weniger Schmerzen, und kann ihre Gefühle, vor allem auch das Weinen, besser kontrollieren. Ihren Bruder und eine ihrer Schwestern konnten wir jüngst in den Therapieprozess einbinden, was half, die Familie enger zusammenzubringen.