Program for Refugees

Syrische Flüchtlinge

Seit Beginn des Syrien-Konflikts im März 2011 mussten mehr als fünf Millionen Syrer ihre Heimat verlassen und in angrenzende Länder fliehen. Über 240.000 von ihnen fanden Zuflucht im Nordirak, ein Großteil davon im Flüchtlingslager Domiz nahe der irakischen Stadt Dohuk. Tausende andere werden notdürftig von Verwandten beherbergt oder halten sich in kleineren Lagern der Region auf.

Für viele barg die Flucht traumatische Erfahrungen, sie verloren Verwandte bei Bombenangriffen, gerieten in Kampfhandlungen oder durchlitten Festnahmen und Folter aufgrund ihrer politischen Zugehörigkeit. Der Verlust von Zuhause und Arbeit stellt eine Belastung dar, oft ist zudem der Verbleib von Familienmitgliedern oder Verwandten ungewiss. Diese Situation zieht Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen oder Panikattacken für die Geflüchteten nach sich, Aggressionen oder Selbstmordabsichten treten auf.

Mit Unterstützung von Misereor und dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung begleitet die Jiyan Foundation traumatisierte syrische Flüchtlinge im Irak. Unsere Teams bieten Überlebenden in unseren Zentren in Dohuk, Erbil und Sulaymaniyah und in den Flüchtlingslagern Domiz, Qushtepe und Arbat kostenfreie medizinische und psychologische Versorgung.

Binnenvertriebene

Im Jahr 2014 übernahm der so genannte „Islamische Staat“ (IS) in weiten Teilen des irakischen Hoheitsgebiets die Kontrolle. Zwischen Januar und Mai startete die Terrormiliz eine Offensive in der Provinz Anbar im Zentralirak. Die Einnahme von Mosul zwang bis Ende Juni insgesamt 1,2 Millionen Menschen zur Flucht in andere Landesteile. Anfang August 2014 eroberten die Terroristen die Stadt Sindschar und gingen systematisch gegen deren jesidische Bevölkerung vor.

Insgesamt befinden sich derzeit drei Millionen Iraker auf der Flucht. Etwa die Hälfte von ihnen hält sich in den nördlichen Provinzen des Landes auf und lebt in überfüllten Flüchtlingslagern. An der grundlegenden Versorgung mit überlebensnotwendigen Gütern mangelt es mindestens ebenso sehr wie an adäquater medizinischer und psychologischer Behandlung.

Dank der Unterstützung von Misereor konnte die Jiyan Foundation bislang mehrere tausend Familien mit Mahlzeiten und Hygieneartikeln versorgen. Hubschrauber und LKWs transportierten eine Tonne Hilfsgüter zu den Jesiden im irakischen Sindschar-Gebirge. Unsere Behandlungszentren und mobilen Teams helfen auch hier verletzten und traumatisierten Erwachsenen und Kindern und bieten medizinische und psychologische Behandlung an. Im Januar 2015 konnte ein Zentrum in Khanke in der Nähe der Stadt Dohuk eröffnet werden, wo ein überfülltes Flüchtlingslager etwa 50.000 jesidische Vertriebene beherbergt. Unsere Arbeit in Khanke wird vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und von der Europäischen Union gefördert.

Pluralismus im Irak stärken

Der Irak ist von einer Vielzahl religiöser Gruppen geprägt – sunnitische und schiitische Muslime, Armenier, Assyrer, chaldäische und syrische Christen, Jesiden, Kakai, Schabak, Mandäer, Bahai und Juden leben dort zusammen.

Nach dem Vormarsch des „Islamischen Staates“ waren im Irak Millionen von Männern, Frauen und Kindern Terrorherrschaft und Tyrannei ausgesetzt. Gerade die besonders schutzbedürftigen religiösen Minderheiten in der Bevölkerung waren gefährdet. In der Stadt Sindschar verübte die Terrormiliz Massaker, entführte und versklavte etwa 5.000 Frauen und Mädchen und vertrieb die verbleibende jesidische Bevölkerung vollständig. Auch durch die Zerstörung von Kultstätten oder Heiligtümern geht der „IS“ gezielt gegen religiöse Minderheiten vor. Diese systematische Verfolgung und Zerstörung ist als ethnische Säuberung zu werten.

Die Jiyan Foundation verfolgt gemeinsam mit ihren internationalen Partnern das Ziel, das jahrtausendealte kulturelle Erbe in Kurdistan und im Irak zu bewahren. Wir versuchen, Räume für gegenseitigen Austausch zu schaffen und insbesondere Kinder und Jugendliche an Fragen kultureller Vielfalt heranzuführen. Ein zentrales Anliegen besteht für uns darin, der Heterogenität im Irak sowohl in der Arbeit mit unseren Patienten als auch in der Zusammensetzung unserer Teams gerecht zu werden und Intoleranz und Extremismus zu bekämpfen.

Weitere Informationen

Wenn Sie mehr über unsere Arbeit erfahren oder uns unterstützen wollen, erreichen Sie uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.